Absolutismus
Die Formel »L'état c'est moi«, d.h. »Der Staat bin ich«, charakterisierte die
Herrschaft des absoluten Monarchen, die im 17. und 18. Jahrhundert eine neue
historische Konstellation prägte.
Der Kampf um politische Macht, ihr Erwerb und ihre Anwendung und Durchsetzung
erzeugten eine neue politische Qualität im Inneren der europäischen Staaten wie
in ihren Beziehungen untereinander. Die politische Konsolidierung des Absolutismus
erfolgte aufgrund der Notwendigkeit, die Auswirkungen der Glaubenskriege zu
überwinden. So entstanden als tragende Säulen das Beamtentum (besonders für die
Steuer- und Finanzverwaltung) und das Militär (mit einem stehenden Heer). Die
Ausprägung dieser entscheidenden souveränen Instanzen führte zur Kontrolle über
die verschiedenen konfessionellen Gruppen. Aufbauend auf der Hebung der
Königsmacht durch Heinrich IV. in Frankreich hatten die leitenden Minister
Richelieu und sein Nachfolger Mazarin der absoluten Herrschaft Ludwigs XIV. die
Grundlagen geschaffen.
In der Folge formte sich der einheitliche Flächenstaat und damit der moderne
Nationalstaat aus. Unterstützt wurde der politische Prozeß durch die Förderung
der Wirtschaft, die der Finanzfachmann Colbert nach kameralistischen und
merkantilistischen Prinzipien organisierte. Durch den Export industrieller
Güter und das Bestreben, die Einfuhren auf Rohstoffe aus eigenen Kolonien zu
beschränken, wurde besonders der frühkapitalistische Fernhandel gefördert. Im
Merkantilismus als »Wirtschaftsidee des Nationalstaates« (W. Treue) stiegen so
die Steuereinnahmen enorm und dienten damit wiederum der Machtrepräsentation
des Königs und der Erfüllung der wachsenden staatlichen Aufgaben.
Die umfassenden herrschaftlichen und ökonomischen Entwicklungen konnten
gesellschaftlich nicht ohne Folgen bleiben. Der Absolutismus säkularisierte das
politische Leben, löste die staatliche Gewalt aus der Vorherrschaft des
kirchlichen und konfessionellen Denkens und durchbrach die alte, aus dem
Mittelalter stammende feudal-ständische Ordnung. Mit diesen sozialen
Umwälzungen fand die moderne bürgerliche Gesellschaft ihren Anfang.
Sowohl durch den überreligiösen, rationalen Handlungsbereich als auch durch die
Reformen des aufgeklärten Absolutismus hatte der absolute Staat selbst eine
Reihe von Voraussetzungen geschaffen, ohne die die Entstehung der Gedankenwelt
der Aufklärung kaum möglich gewesen wäre. Aus dieser Gedankenwelt entwickelte
sich jene Kritik, die zum Untergang des Absolutismus in der Französischen
Revolution führte.